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News-Archiv

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Datum
Thema
Juni 2008
  Jahreszeiten (pdf 14 kb)
Okt. 2007
  Autokauf (pdf 39 kb)
Sep. 2007
  Felix bringt kein Glück nach Nicaragua (pdf 176 kb)
Jan. 2007
  Stabsübergabe in Nicaragua
22. Dez. 2006
  Weihnachen hüben wie drüben (pdf 291 kb)
06. Sep. 2006
  Erschütterung, Trauer ... Hoffnung?!
15. August 2006
  Latinos als Fremdenlegionäre für Bush
6. Juni 2006
  Satan im Anmarsch?
27. März 2006
  Mundialito 2006
13. Jan. 2006
  Migration Nicaraguaer nach Costa Rica
7. Okt. 2005
  Hurrikan-Saison
4. Aug. 2005
  1.-August-Feier in Nicaragua
20. Juni 2005
  Wie die Jungfrau zum Kinde
1. Juni 2005
  10 Punkte, woran man merkt, dass in Nicaragua die Regenzeit angefangen hat
28. April 2005
  Aufruhr in Managua
3. März 2005
  Öffentliche Verkehrsmittel
11. Feb. 2005
  Ampelverkauf in Managua
26. Jan. 2005
  Fiesta patronal in Diriamba
09. Dez. 2004
  La Purisima (Maria Empfängnis)
28. Nov. 2004
  Viecherwelt
02. Nov. 2004
  Wahlkampagne auf nicaraguanisch
12. Okt. 2004
  Putzorgien, Felgengrill und Erdbeben
Sep. 2004
  Where the streets have no names
Aug. 2004
  Gut angekommen?!
Aug. 2004
  Endlich ist es soweit!
Juli 2004
  Der Countdown läuft
Apr. 2004
  Die letzten 100 Tage in der Schweiz


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Stabsübergabe in Nicaragua

Januar 2007

"Am 10. Januar 2007 ist das seit 16 Jahren von vielen Nicaraguanern Ersehnte und von mindestens sovielen Befürchtete geschehen: Die Sandinisten sind wieder an der Macht!"

Ausführlicher Bericht als PDF

 

 

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Erschütterung, Trauer... Hoffnung?!

06. September 2006

Zutiefst erschüttert las ich heute die Meldung der Online-Ausgabe des
Tages-Anzeigers: "innert 24 Stunden sind knapp 900 afrikanische
Bootsflüchtlinge auf den Kanarischen Inseln gelandet. Seit anfangs dieses
Jahres sind bereits 23000 Menschen auf der spanischen Inselgruppe angekommen, fünfmal mehr als im ganzen vergangenen Jahr." Eine hohe Zahl, aber in den Augen der meisten nur eine Zahl. Und wahrscheinlich ein Ärgernis für die Touristen, die sich am schönen Strand unter blauem Himmel verdientermassen von den Strapazen ihres Alltags erholen möchten.

Für mich jedoch stehen hinter dieser Zahl Menschen. 23000 Menschen, die lachen, weinen, singen, sprechen, denken, Schmerzen und Freude empfinden. Die Angst haben, die mutig sind, die hoffnungslos sind. 23000 Menschen, die vielleicht vor einem Bürgerkrieg geflohen sind, vielleicht aber auch "nur" vor dem Hunger in ihrem Land. 23000 Menschen, die ihre Heimat, ihre Familien, ihre Kinder und Frauen, ihre Freunde zurückgelassen haben. Die, mit nichts als was sie auf der Haut tragen, sich ins Ungewisse gestürzt und den Risiken der Reise ausgesetzt haben. 23000 Menschen, die schon seit Monaten oder Jahren unterwegs sind, um ein Schlupfloch in den Zäunen und Mauern der westlichen Zivilisation zu finden.

Deren Familien sich enorm verschuldet haben, um einem der ihren die Möglichkeit zu geben mit Hilfe eines Schleppers die Flucht nach vorne anzutreten. 23000 Menschen, die nicht schwimmen können und sich trotzdem in einer Nussschale auf dieses ihnen so Angst einjagende Element gewagt haben. 23000 Menschen, die hoffen, für sich und ihre Familie ein besseres oder sichereres Leben zu erlangen. Die es jedoch, wenn sie einmal im gelobten Europa angekommen sind, noch immer nicht geschafft haben.

Ich frage mich: Und die vielen Tausende, die es nicht bis nach Spanien geschafft haben? Die unterwegs ertrunken sind? Oder schon in Afrika auf dem Weg zu den Schleppern überfallen, vergewaltigt und erschlagen worden sind? Die sterben mussten, nur weil sie für ihre Familien ein menschenwürdiges Dasein mit einem Dach über dem Kopf und genügend zu essen wünschten? Deren Familien im Ungewissen zurückgeblieben sind und nie wissen werden, ob ihr Sohn, ihre Tochter, ihr Vater noch lebt?

23000 Menschen, allein bei dieser Überquerung von Senegal nach den Kanarischen Inseln. Wieviele Hunderttausende müssen es wohl weltweit jährlich sein? Auch wir haben von Menschen aus unserer Nachbarschaft gehört, die von Nicaragua aufgebrochen sind um ins gelobte Amerika zu gelangen. Einige sind unterwegs gestorben, andere verletzt worden, wieder andere haben es geschafft.

Die Politiker unterscheiden zwischen politischen und wirtschaftlichen
Flüchtlingen, von welchen nur die ersteren allenfalls eine Chance auf Aufnahme in der ersten Welt haben. Für mich ist dies jedoch nur eine theoretische Unterscheidung, denn bei beiden geht es um Leib und Leben, der eine wird verfolgt und der andere verhungert. Das Resultat ist dasselbe.

Keine noch so hohe Mauer und kein noch so wilder Ozean wird die Menschen der "dritten Welt" davon abhalten können, ihr Glück zu versuchen und ein paar Brosamen des reich gedeckten Tisches des Westens zu ergattern. Das Einzige, was sie daran hindern kann, ihre Heimat zu verlassen, ist, dass sie zuhause eine Zukunft für sich und die ihren sehen. Denn die meisten lieben ihre Heimat und ihre Familie über alles und werden in der Fremde krank vor Heimweh.

Zukunft: das bedeutet Friede, Ausbildung, Arbeit und Nahrung. Anstatt hohe Mauern zu bauen, sollte das Ziel sein, den Menschen eine Lebensgrundlage in ihrem Land zu ermöglichen. Sodass sie gar nicht erst würdelos wie Bittsteller vor den Pforten Europas und Amerikas stehen müssen. INTERTEAM setzt sich für diese Ziele ein. INTERTEAM vermittelt und begleitet freiwillige Fachleute in Einsätze nach Afrika und Lateinamerika. In fünf Schwerpunktgebieten geben rund 50 Mitarbeitende ihre Berufskenntnisse weiter. INTERTEAM-Fachleute sind tätig in der Ausbildung in den Programmschwerpunkten Land- und Forstwirtschaft, Bildung
und Sozialwesen, Gesundheitswesen, Handwerk und Bauwesen sowie Frieden und Demokratie. (Weitere Informationen unter www.interteam.ch)

INTERTEAM positioniert sich im Abstimmungswahlkampf über das Asylgesetz wie folgt:

Gegen ein unmenschliches Asylgesetz
Das revidierte Asylgesetz erschwert Verfolgten den Zugang zum Asylverfahren statt ihnen Schutz zu gewähren. INTERTEAM unterstützt daher die Haltung der Schweizerischen Bischofskonferenz, von Caritas Schweiz und Fastenopfer in ihrer ablehnenden Position zum revidierten Asylgesetz.

Das revidierte Asylgesetz steht in wichtigen Punkten im Widerspruch zur
humanitären Tradition der Schweiz mit ihren christlichen Werten wie der
Nächstenliebe und dem Einstehen für die sozial Schwachen. Das ursprüngliche Asylgesetz regelt "den vorübergehenden Schutz von Schutzbedürftigen in der Schweiz". Dieser Schutzgedanke droht verloren zu gehen, wenn Verfolgte ohne Pass oder Identititätskarte grundsätzlich vom Asylverfahren ausgeschlossen werden. Beim revidierten Asylgesetz steht nicht der Schutz, sondern die Missbrauchsbekämpfung an erster Stelle. Die Schweiz nimmt selbst die Verletzung der Genfer Flüchtlingskonvention in Kauf.

INTERTEAM spricht sich klar gegen die neue Nichteintretensregelung bei
Asylgesuchen und den Sozialhilfestopp für abgewiesene Asylsuchende sowie die Menschenwürde missachtenden Zwangsmassnahmen aus. INTERTEAM setzt sich gemäss seinem Leitbild nicht nur für die Menschen im Süden ein, sondern auch für die humanitäre Aufnahme und den Schutz von Verfolgten in der Schweiz.

Ein Ja zur Vorlage kann Menschen in Gefahr bringen.
Die reale Not der Flüchtlinge darf nicht ausgeblendet werden: Menschen werden auf dieser Welt täglich an Leib und Leben bedroht. Das wissen wir aus unserer langjährigen Programmarbeit in Afrika und Lateinamerika.
Das revidierte Asylgesetz gelangt am 24. September 2006 zur nationalen
Abstimmung. Gleichzeitig wird auch über das revidierte Ausländergesetz
entschieden. Dieses Gesetz ist in einigen Punkten eng mit dem Asylgesetz
verzahnt. Deswegen hat INTERTEAM bei beiden Gesetzen die gleichen Bedenken wie die Schweizerische Bischofskonferenz, die Caritas Schweiz und das Fastenopfer.

Herzliche Grüsse aus Jinotepe
Cecilia und Silvio Greber-Germann

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Latinos als Fremdenlegionäre für Bush

15. August 2006

Nachdem ich Gerüchte darüber gehört hatte, dass viele Latinos auf Seiten der US-Armee in Irak und Afghanistan kämpfen, suchte ich im Internet nach Informationen darüber - und bin fündig geworden. Die nachstehenden Infos sind Teile eines gekürzten Artikels des Autoren Saul Landau aus dem "Canadian Dimension Magazine", Ausgabe März/April 2006.

Nicht genügend Truppen, um an zwei Fronten zu kämpfen
Bush's Kriege im Mittleren Osten und deren Besetzung durch die US Armee und die Nationalgarde haben nicht nur die Nation in zwei Lager geteilt und starke Anti-Amerika-Gefühle in der ganzen Welt geschürt; sie belasten auch das Budget des mächtigen Pentagon. Bis zu diesen Kriegen im Mittleren Osten des 21. Jahrhunderts erreichte das Militär seine Rekrutierquoten dank der armen Jugend im eigenen Land. Der Dienst in der Nationalgarde schien attraktiv und das Risiko, jemals in einem richtigen Krieg mitzumachen, gering.

Das alles änderte sich schnell, nachdem Bush in Afghanistan und Irak einmarschierte und feststellte, dass er nicht genügend Truppen hatte, um beide Schauplätze zu besetzen. Also lancierte er eine aggressive Rekrutier-Kampagne. Aber die Nachrichten über die schnell steigenden Zahlen von Toten und Verwundeten liessen auch die am schlechtesten informierten und üblicherweise leichtgläubigen Teenager es sich zweimal überlegen ob sie "sich einschreiben" sollten.

Um den Nachschub zu ködern, erhöhte das Pentagon die Saläre und offerierte weitere Vorteile. Von der höchsten bis zur niedersten Stufe wurden die Saläre in wenigen Jahren um das drei- bis vierfache erhöht.

Teenager fallen nicht mehr auf Rekrutierer herein
Jedoch, im Jahre 2003, trotz den Salärerhöhungen, Bonus- und anderen Versprechen, konnten die Rekrutierer ihre Vorgaben nicht mehr erfüllen. Die vorher einfach zu überzeugenden Teenager begannen den Einfluss der negativen Geschichten zu spüren, erlebten mit, wie Freunde und Familienmitglieder getötet oder invalid wurden.
"So schwer von Begriff amerikanische Teenager auch sind", sagte ein Rekrutierer, "sie sind nicht dumm genug um auf unseren Mist hereinzufallen, den wir ihnen erzählen, damit sie nach Irak oder Afghanistan gehen. Zitieren Sie mich nicht." Ich zitiere ihn, jedoch ohne seinen Namen und Rang zu nennen.

Soldaten im Süden suchen
Der Knappheit von "Manpower" gegenüber stehend, begann das erfinderische Pentagon auswärts nach Frischfleisch zu suchen, um es nach Irak zu schicken. Die nächsten Nachbarn im Süden machen eine ideale Rekrutierarena aus - ausgedehnte Armut und Arbeitslosigkeit. Die US-Armee offeriert den "Illegalen" die Staatsangehörigkeit, wenn sie sich einschreiben.

Zudem kosten junge Lateinamerikaner das Pentagon viel weniger als "hauseigene" Soldaten, genauso wie wenn sie in den "Maquilas" (Freihandelszonen) arbeiten, anstatt in US-amerikanischen Fabriken. Wie beim Outsourcing von anderen Jobs, nehmen Menschen aus der dritten Welt nun Positionen ein, die früher von Amerikanern ausgeführt wurden. Zu einem viel billigeren Lohn, aber besser bezahlt als sie jemals in ihrer Heimat erreichen könnten.

Für "illegale" Lateinamerikaner, oder solche, die einen schnellen Weg zur amerikanischen Staatsangehörigkeit suchen, strahlt die Armee eine grosse Attraktivität aus. Mexikaner und mexikanische Secondos machen mehr als die Hälfte von den etwa 110'000 Latinos aus, die zurzeit in der US-Armee dienen.

Den Krieg outsourcen
Wenn US-Firmen Jobs outsourcen können, weshalb kann das Pentagon nicht den Krieg outsourcen? Während eines Grossteils des 19. und 20. Jahrhunderts sind US-Truppen in Lateinamerika eingefallen. In der Tat gibt es nicht ein Land in der Hemisphäre, das der uneingeladenen Präsenz der US-Truppen entgangen wäre. Nun rekrutieren die USA lateinamerikanische Truppen, die in ihren Basiscamps trainiert werden, um dann in den Mittleren Osten verschifft zu werden.

Diese "Koalition der Freiwilligen Truppen" repräsentierte die Gegenleistung für Schmiergeld, das Washington den lateinamerikanischen Ländern offeriert hat. Die meisten Präsidenten griffen nicht zu. Jene in Kolumbien, Costa Rica, der Dominikanischen Republik, El Salvador, Honduras, Nicaragua und Panama jedoch streckten die Hand aus zu diesem Deal. Rekrutierung quer durch Lateinamerika

Indem sie waffengeübten Latinos bis zu US$ 3000 pro Monat bezahlen, haben sie kein Problem Nachschub zu finden, sagt Dan Broidy, Autor der Halliburton Agenda. Rekrutierer arbeiten in Chile, Kolumbien, Nicaragua und Guatemala. Weil diese Länder alle über eine grosse Anzahl von jungen Männern verfügen, die im "Töten" ausgebildet sind, macht es sie zu einem idealen Feld für Irak-Headhunters.

Internet-Annoncen und Mund-zu-Mund-Propaganda haben zur Anwerbung von kolumbianischen Kämpfern für einen Job im Irak geführt. Das Internet ist voll von solchen Gelegenheiten - wie diesem: "Wir suchen talentierte Individuen, die bereit und fähig sind, als Sicherheitsspezialisten in einer Hochrisiko-Umgebung zu arbeiten. (Muss dazu bereit sein für 3 Monate bis zu einem Jahr nach Irak oder Afghanistan zu dislozieren). Personen mit bisheriger Militär- oder Bodyguard-Erfahrung bevorzugt. Oder dieses hier: "Deine neue Karriere im Irak beginnt hier. Platziere dein CV im Iraqi Job Center, du machst den ersten Schritt für eine grossartige neue Karriere. Schick dein Profil GRATIS und finde den perfekten Job."

Solche Kampagnen um private Söldner-Armeen aus Lateinamerika und anderen Teilen der Welt anstatt von US-Truppen einzusetzen, führte zu einem Anstieg einer Parallel-Armee. Mehr als 20'000 Nicht-US-Söldner ergänzen mittlerweile die regulären Truppen in Irak.
Niemand weiss die genaue Anzahl von lateinamerikanischen Söldnern, die mittlerweile im Irak dienen. Aber es mögen fast so viele sein wie US-Truppen.

************************************************

Nachsatz: Einmal mehr wird die Armut von Menschen und deren Wunsch im Leben vorwärts zu kommen dazu benutzt, die Probleme eines reichen Landes zu lösen. Dies hinterlässt einen noch bittereren Nachgeschmack als der Krieg und dessen Greueltaten an und für sich.

Das nächste mögliche Angriffsziel hat die amerikanische Armee ja - gerüchteweise - auch bereits im Visier: Kuba, das durch die Machtabgabe von Fidel Castro scheinbar geschwächt ist. Ob die Latinos bei diesem Schlag der US-Amerikaner ebenfalls zur Verfügung stehen würden?

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Satan im Anmarsch?

06. Juni 2006

Heute früh 6. Juni wurde ich von aussergewöhnlichen Klängen geweckt. Aussergewöhnlich nicht im Sinne von "noch nie gehört" sondern ausserhalb der normalen Zeit. Das Grundstück hinter unserem Garten beinhaltet nämlich eine evangelische Kirche der Pfingstgemeinde, die jeden Abend und sonntags zweimal lauthals mittels Akkordeon, Gitarre, Gesang und riesigen Lautsprecherboxen das Heil Gottes verkündet. Doch heute früh wurde ich von diesem apokalyptischen Lärm aus dem Schlaf gerissen. Ich war zunächst orientierungslos und dachte ich sei am späten Nachmittag kurz eingeschlafen. Doch ein Blick auf den Wecker bestätigte mir, es war früher Morgen.

Als ich wieder denken konnte, dämmerte es mir langsam. Heute war ja der 06.06.06, und 666 ist bekanntlich die Zahl des Satans. Bereits gestern redeten die Nachbarn vom Satan, Zeitungen und Fernsehnachrichten brachten Sonderbeiträge über den Untergang der Welt, der heute stattfinden sollte. Den jungen Frauen wurde verboten heute auf die Strassen zu gehen, damit sich die Bestie nicht durch sie verkörpern konnte. Es wurde angekündigt, dass viele Gläubige den heutigen Tag in der Kirche mit Gebeten und Gesang verbringen würden. Deshalb also dieser gnadenlose Lärm in der Pfingstgemeinde bei uns um die Ecke.

Speziell an der Atlantikküste glaubt man stark an den heutigen Weltuntergang. Viele Leute sagten den Reportern, sie würden heute nicht zur Arbeit oder zum Studium gehen oder ihr Geschäft nicht öffnen. Und anscheinend hat in den letzten Tagen der Umsatz mit Lotterie-Losen drastisch abgenommen, da die Ziehung der Gewinnnummern erst nach dem heutigen Tag stattfinden würde, man also den Gewinn gar nicht mehr einstreichen könnte…

Nun, bis jetzt ist nichts Aussergewöhnliches passiert und das wird es wohl auch nicht. Doch Halt! Jetzt … jetzt… ein Kitzeln in der Nase … jetzt … Hatschi! Nein, es war nur mein Pfnüsel, der noch immer nicht ganz abgeklungen ist.

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Mundialito 2006

27. März 2006 (ältere News findet man unter Archiv)

Fussball, Fussball! Dieser Tage sieht man Fussball, wo man auch hinschaut! Für jeden Mann ist es wahrscheinlich einer der grössten Träume an einer Fussball-WM teilnehmen zu können. Und zwar nicht als Zuschauer sondern als Spieler. Für Silvio ging dieser Tage ein Traum in Erfüllung, denn er durfte am Mundialito 2006 in Managua teilnehmen. (Der Name Mundialito kommt von "Copa Mundial" also Weltmeisterschaft und das "ito" hängt man in Nicaragua immer als Verkleinerungsform an.)

Anlässlich der Fussball-Weltmeisterschaft, die im Juni in Deutschland stattfinden wird, wollte sich der Deutsche Klub in Managua nicht lumpen lassen und hat kurzerhand eine "Konkurrenz-Veranstaltung" organisiert und dazu internationale Teams eingeladen. 16 Mannschaften aus den Ländern Nicaragua (2x), Ecuador, Costa Rica, Japan, Finnland, Schweden, Schweiz, Deutschland, Italien, Brasilien, El Salvador, Österreich, Niederlande, Frankreich und Dänemark spielten auf dem feinen Rasen der Deutschen Schule auf. Die Protagonisten hatten zwei Dinge gemeinsam: alle mussten sie den Pass des jeweiligen Landes vorweisen können, für das sie antraten und sie leben alle zurzeit in Nicaragua. Die zehn Feldspieler plus Goalie des Schweizer Teams setzten sich dementsprechend aus Schweizer Kooperanten, Auslandschweizern und "Secondos" zusammen. Bereits der Auftakt des Turniertages machte klar, dass es sich nicht einfach um ein Grümpelturnier handelte, denn die Mannschaften zogen in die Arena ein wie bei den olympischen Spielen, Nationalhymnen wurden gespielt und Ansprachen gehalten. Es wurde ernst und die Spieler langsam nervös. Das Schweizer Team fiel bei der Auslosung, die einige Tage zuvor durchgeführt worden war, in eine Gruppe zusammen mit Österreich, Ecuador und Nicaragua1. Diese galt es nun zu schlagen um wenigstens in die Viertelsfinale vorzustossen. Grosse Chancen rechnete man sich nicht aus, denn das Team hatte nur etwa viermal zusammen trainiert und nie waren alle anwesend. Dem gegenüber stand beispielsweise die deutsche Equipe, die sich seit Jahren einmal pro Woche zum Fussballspielen treffen und auch andere Teams, die sich anscheinend gut auf das Turnier vorbereitet hatten. Doch um einen allfällig fehlenden Schliff des Fussballteams zu überspielen, hatte die Fangemeinde (in der Mehrheit Spielerfrauen) sich umso besser vorbereitet. In Ermangelung erwerbbarer Schweizer Fahnen, wurden diese kurzerhand an einem "Bastelsonntag" selber hergestellt. Und mit einer kräftigen Stimme zum anfeuern war jede und jeder bestens ausgestattet.

Die Temperaturen stiegen langsam aber unaufhaltsam an, je weiter der Tag fortschritt und dies nicht nur wegen der Sonne, die gnadenlos herunterbrannte. Sondern auch weil die Schweiz Österreich und Ecuador schlug und gegen Nicaragua1 ein Unentschieden herausholte und somit Gruppensieger war. Die nächste Herausforderung war die Begegnung mit Deutschland im Viertelsfinal, vor denen sie ein wenig zitterten. Doch der Fussballgott stand unseren Jungs bei und nach einem Unentschieden konnten sie die Alemannen im Penaltyschiessen bezwingen. Was für ein Jubel, wir standen im Halbfinale!!! Man sah sich schon fast im Finale, doch in einem weiteren hart umkämpften Match gegen Costa Rica wurde das Spiel ebenfalls im Penaltyschiessen entschieden, dieses Mal zu ungunsten der Schweizer. Im letzten Match um den 3. und 4. Platz gegen Japan gab man nochmals alles, aber das Team aus dem Land der aufgehenden Sonne war einfach stärker. Und somit landete das Schweizer Team auf dem undankbaren 4. Platz. Aber der Jubel war trotzdem riesengross und wir feierten unsere Männer, also ob sie Turniersieger geworden wären. Auf dem Nebenplatz ging mittlerweile das Finale zu Ende, Nicaragua2 gewann gegen Costa Rica. Was kulturell und politisch gesehen, ebenfalls sehr schön war. Niemand hatte sich ernsthaft verletzt und alle hatten einen Riesenspass, das war die Hauptsache. Mannschaft und Fans waren glückselig und genossen den restlichen Abend mit Preisübergabe, Schwimmen im Swimmingpool und ein paar Bierchen (zuviel). Ein Tag voller Lebenslust, Zusammenhalt und sportlicher Betätigung ging zu Ende.

Den äusserst positiven Ausgang dieses Turniers feierten wir eine Woche später in etwas kleinerer Runde nochmals. Wir wurden von einem Mitspieler mit herrlicher Aussicht auf Managua und einem sehr feinen Raclette (aus Kolumbien importiert!) verwöhnt.

Somit haben wir eine tolle Vorlage für die "echte" Schweizer Fussballnati hingelegt und wir hoffen, dass sie es uns nachmacht und im Juni einen tollen Fussball zeigen wird.

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Migration Nicaraguaer nach Costa Rica

13. Januar 2006

Liebe Alle,

na, seid Ihr alle gut ins Neue Jahr gestartet ? Schön, freut uns für Euch. Auch wir sind dabei unseren täglichen Rhythmus wieder zu finden und haben uns in die Arbeitswelt gestürzt.

Um Arbeit zu finden und für sich und ihre Familien ein Stück des verlockenden Kuchens abzuschneiden, nehmen jährlich unzählige Nicaraguaner grosse Risiken auf sich und versuchen ihr Glück entweder im südlichen Nachbarland Costa Rica oder im nördlichen "Schlaraffenland" USA. Viele dieser Emigrationen sind "technisch gesehen" erfolgreich, das bezeugen die Ueberweisungen an die Zurückgebliebenen in der Heimat, deren Ziffer grösser ist als das Exportvolumen von Nicaragua. Was jedoch emotional in diesen Menschen vorgeht, steht auf einem anderen Blatt geschrieben.

Anbei übermitteln wir Euch eine Reportage (880 KB), die das Thema Migration der Nicaraguaner nach Costa Rica behandelt. Jeannette Büsser, eine Schweizer Kollegin, die vor Ort recherchierte, hat diesen Text verfasst, den wir Euch nicht vorenthalten möchten. Vielen Dank, Jeannette, für die
Zurverfügungstellung.

Herzlich grüssen
Cecilia und Silvio Greber

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Hurrikan-Saison

7. Oktober 2005

September und Oktober sind traditionell die Monate der Hurrikan-Saison in der Karibik, in Zentralamerika und im Golf von Mexiko. Ihr alle wisst genügend aus der Presse was Katrina in und um New Orleans angerichtet hat. Zentralamerika wurde glücklicherweise von den zerstörerischen Kräften von Katrina, Rita und Stan weitgehend verschont, lediglich Stan hat in der ganzen Region etwas über hundert Todesopfer gefordert, meist Opfer von Erdrutschen.

Was jedoch weniger bekannt sein dürfte und auch weniger spektakulär ist, dass es in ganz Nicaragua - und vermutlich auch in den Nachbarstaaten - seit nunmehr knapp drei Wochen fast ununterbrochen regnet. Auswirkungen der Hurrikane, die zwar an uns vorbeigezogen sind, jedoch riesige Wassermassen mit sich bringen, die sie irgendwo entleeren müssen. Folgen davon sind, dass es auch in solide gebauten Häusern wie dem unseren überall reintropft und Wasserrinnsale die Wände herunter fliessen. Ich möchte mir gar nicht vorstellen, was die armen Bewohner in ihren undichten Blech- und Kartonhütten mit gestampften Erdboden mitmachen. Dass die grässlichen braunen Schnecken, die sich normalerweise im Garten befinden, mittlerweile in unserem Schlafzimmer die Wände hochkriechen. Dass aus dem Schrank genommene Wäsche modrig riecht, wenn nicht gar grau ist und gewaschene Wäsche nicht mehr trocknet. Dass die Gehsteige glitschig, weil moosig geworden, sind. Dass viele Menschen an Grippe, an Erkrankungen der Atemwege und an Lungenentzündungen leiden, da sie in feuchten Betten schlafen müssen. Dass viele Gemeinden wenige Kilometer ausserhalb der Städte nicht mehr per Auto oder Bus erreichbar sind, da die Naturstrassen sich in Flüsse verwandelt haben. Dass die Verkäufer auf den Märkten schlechte Geschäfte machen, weil die Leute nur wenn absolut nötig einen Schritt vor die Tür setzen. Und schlussendlich, dass grosse Teile der Ernte der Grundnahrungsmittel verdorben sein werden, da Bohnen und Maiskolben auf den Feldern verrotten und vermodern. Dies bedeutet, dass die Preise für diese Lebensmittel einmal mehr auf das Doppelte ansteigen werden und die Menschen hier den bereits engen Gürtel nochmals enger schnallen müssen.

Doch besser, sie gewöhnen sich daran, denn der nächste Hurrikan kommt bestimmt, nämlich der CAFTA (Central American Free Trade Agreement) oder auch TLC (Tratado de Libre Comercio) genannt, der den freien Handel zwischen den USA und den zentralamerikanischen Staaten in einem Vertrag regelt. Und wer glaubt, dass die USA aus uneigennützigen Gedanken ein solches Vertragswerk schaffen, glaubt wohl auch noch ans Christkind. Doch über den Hurrikan CAFTA, der Nicaragua und seine Nachbarstaaten heimsuchen wird, schreibe ich in der nächsten News.

Inzwischen hoffen wir, dass die Schwimmhäute zwischen den Zehen sich wieder zurückbilden und geniessen eine heisse Schoggi mit Rum.

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1.-August-Feier in Nicaragua

4. August 2005

Noch nie nahm ich an einer offiziellen 1.-August-Feier in der Schweiz teil.
Empfand es immer als etwas spiessig und verbrachte viel lieber diesen freien Tag mit Freunden beim Bräteln. Doch wenn man im Ausland lebt, verschiebt sich die Wahrnehmung und auf einmal erscheint einem die Einladung des Schweizerclubs von Nicaragua zur 1.-August-Feier als etwas Verlockendes. Zusammen mit einer Familie, die ebenfalls für Interteam in Nicaragua im Einsatz ist, meldeten wir uns an für dieses Fest, das feines Essen und Geselligkeit versprach und waren gespannt, was und wen wir antreffen würden.

Im Club "Las Colinas" in Managua, einer exklusiven Einrichtung mit
Tennisplätzen, Swimmingpool, Billardtisch, Bar und Räumlichkeiten, die man für Feste solcherart mieten kann, wurden wir empfangen. Die Einladung lautete auf 17.00h, wir erschienen um 18.00h, waren jedoch noch immer bei den Ersten. Soweit hatten sich die Schweizer im Land also bereits an die lokale Kultur angepasst. Nach und nach trafen die anderen Gäste ein. Wir sahen viele rote T-Shirts mit Schweizer Kreuzen, doch die Mehrheit der Träger sah eher dunkelhäutig und glutäugig aus. Man hörte spanische Sprachfetzen von allen Tischen, Schweizerdeutsch wurde fast nicht gesprochen. Was bei der Sprachenvielfalt der Schweiz auch verständlich ist, war doch die gemeinsame Sprache der Welschen, Tessiner und Deutschschweizer Spanisch. Die Mehrheit der anwesenden Ehepaare waren gemischt, viele Schweizer Männer mit Nica-Frauen und wenige Schweizer Frauen mit Nica-Männern. Deren Kinder, braungebrannt,
spanischsprechend, mit Schweizer T-Shirts bekleidet, rannten auf dem
weitläufigen Gelände umher und vergnügten sich. Fast die Hälfte der Gäste
gehörte der Familie eines Industriellen an, der mit Kind- und Kindeskindern
erschienen war. Er ist auch der Präsident des Schweizerclubs in Nicaragua.

Ein buntes Gemisch also und ziemlich unschweizerisch. Die Stimmung war jedoch sehr schweizerisch, ruhig und zurückhaltend. Die Grüppchen, die sich bereits kannten, blieben mehrheitlich unter sich. Die musikalische Unterhaltung war eher in der Salsa-Ecke angesiedelt, obwohl zwischendurch ebenfalls Jodelklänge zu hören waren. Doch niemand tanzte, was an einem Nica-Fest nicht vorstellbar wäre.

Zum Apero gab es auf Stecken über dem Feuer selbstgebrätelte Cervelats mit feinen Bürli, mmmmhhhh, eine Köstlichkeit nach einem Jahr! Es gibt anscheinend in Managua eine deutsche Metzgerei, die auf Bestellung Cervelats herstellt, das müssen wir uns merken. Danach sprach Bundespräsident Samuel Schmid zu uns Auslandschweizern, allerdings ab Band. Zum Glück wurde seine Rede auf spanisch von jemand Sprachkundigem gesprochen, seine persönliche Anrede in den
verschiedenen Landessprachen war bereits genug Tortur für unsere Ohren.

Auch der Schweizer Konsul war extra aus Costa Rica angereist, um ein kurzes Grusswort an uns zu richten. Zur Hauptspeise danach gab es heissen Beinschinken im Brotteig mit einem Salatbuffet. Äusserst lecker. Selbstverständlich durften auch Raketen und Vulkane danach nicht fehlen.

Alles in allem ein gelungener Anlass. Wir haben viel zuviel gegessen, etwas
zuviel getrunken, uns gut unterhalten und ein paar interessante Leute
kennengelernt. Was hier auf jeden Fall anders war als an einer 1.-August-Feier in der Schweiz war das Wetter. Bis spät nachts war es angenehm warm und kein Gewitter verdarb das Grillfeuer.

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Wie die Jungfrau zum Kinde

20. Juli 2005

Seit vergangenem Wochenende haben wir unverhofft nebst den Kakerlaken und Geckos und Mäusen zwei neue exotische Haustiere (in der Schweiz wären sie exotisch, hier jedoch nicht). Und das kam so.
Am Samstag machten wir wieder einmal unseren Standard-Ausflüge an den Pazifik. Wir fuhren per Bus nach Casares, einem kleinen Fischerdorf wo sich Schweine am Strand tummeln, und marschierten am Strand entlang gegen Norden nach La Boquita, einem etwas touristischeren Strand. Der Spaziergang dauert inklusive Muschelsuchen etwa 2-3 Stunden. Es war stürmische Flut und düstere Wolken zogen über uns hinweg. Felsklettereien sind bei diesem Spaziergang ebenfalls vonnöten und die Flut machte diese nicht einfacher, schlug doch die Brandung hart an die Felsen und spritzte uns ziemlich nass. Nach diesem Abenteuer hatten wir uns ein spätes Mittagessen (frischen mit Knoblauch-Marinade grillierten Fisch, Bier und Cola) redlich verdient.
Wir sind es inzwischen gewohnt, dass Kinder Selbstgebasteltes aus Muscheln verkaufen wollen und uns die streunenden Hunde aus traurigen Augen anschauen und um Futter anbetteln. Auf einmal legte jedoch eine ältere Frau eine PET-Flasche auf den Tisch. Mir blieb fast der Fisch im Hals stecken. Darin eingeschlossen eine kleine Schildkröte, die verzweifelt strampelte und versuchte ihrem Gefängnis und den neugierigen Blicken zu entfliehen. Ich fragte mich schon, wie das Tier da rein gekommen war und spekulierte im Geiste über Schildkröteneier in PET-Flaschen, da sah ich, dass eine Seite der Flasche aufgeschlitzt und per Schnur zusammengebunden war. Armes Tier! Mehr aus Neugierde fragte ich die Frau "cuanto vale?" (wieviel kostet das). "20 Cordobas", war die Antwort, etwas mehr als ein USDollar. Sie fing dann an aufzuzählen, dass es Moskitos, Fliegen und sonstige Viecher fresse und nicht im Wasser lebe sondern auf dem Land. Bevor ich überhaupt weitere Überlegungen dazu anstellen konnte, meinte Silvio, ich solle sie kaufen. Ich schaute ihn mit riesigen Augen an. Eine Schildkröte! "Ja, kauf sie, sie kann in unserem Garten wohnen", meinte er. Und so kaufte ich eine wunderschöne, farbenfrohe Schildkröte in einer PET-Flasche, von der ich keine Ahnung hatte, was für Lebensbedingungen wie Futter, Umgebung, Unterbringung, Zuwendung sie braucht. Soweit so schlecht.

Zuhause angekommen, liessen wir sie gleich frei und sie verkroch sich im nächsten Busch. Unsere Haushilfe Vladimir brachte daraufhin eine zweite derselben Art aus seinem eigenen Garten (ich wusste nicht, dass sie Schildkröten haben), damit unsere nicht so alleine ist.
Wir haben uns dann per Internet auf die Suche gemacht um herauszufinden, was für eine Art dies überhaupt ist und was sie zum leben benötigt. Dem Erfinder des Internet und all den braven Schildkrötenvereinen sei hier ein Kränzchen gewunden, dafür dass sie ihre Informationen mit den Suchenden teilen. Es handelt sich um eine "Zentralamerikanische Erdschildkröte" oder "Rhinoclemmys pulcherrima manni". Deren natürlicher Aufenthaltsort ist feuchter, tropischer Wald mit einem flachen Gewässer in der Nähe, denn sie baden ab und zu gerne. Nun, Gebüsch und Bäume haben wir genügend im Garten. Nun fehlte noch das Gewässer. Also machten wir uns an den Bau eines Schildkröten-Swimmingpools. Auf dem Markt kauften wir ein relativ flaches Plastikabwaschbecken in himmelblau. Dieses buddelten wir ebenerdig in den Garten ein und legten grössere Steine hinein als eine Art Treppe, sodass sie selber wieder aus dem Pool rausklettern können. Als wir sie ins Wasser legten, genossen sie es sichtlich.

Die beiden gewöhnen sich zögerlich daran, dass sie ein neues Zuhause haben, verstehen sich jedoch gut und kuscheln sich auch mal aneinander. Ich denke, sie sind noch recht jung, denn sie sind nur etwa 10 cm lang. Ob es Männchen oder Weibchen sind, wissen wir nicht. In der Tierwelt sind jedoch die Männchen in der Regel die farbenprächtigeren und schöneren Geschöpfe und so nehmen wir an, dass es zwei Männchen sind. Wir haben sie Victor Tuga und Hector Tuga genannt (tortuga - Schildkröte).


Hector auf Erkundungstrip

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10 Punkte, woran man merkt, dass in Nicaragua die Regenzeit angefangen hat

01. Juni 2005

1. Am Tag nach den ersten Regenfällen kriechen abertausende fliegende Riesenameisen aus ihren Löchern um gleichentags wieder zu sterben
2. Frisch gewaschene Wäsche benötigt nun nicht mehr 2-3 Stunden zum trocknen, sondern 2-3 Tage und fühlt sich beim Anziehen trotzdem leicht feucht und müffelig an
3. Man wird neu nachts nicht mehr von bellenden Hunden geweckt, sondern von sintflutartigen Regenfällen, die aufs Dach prasseln (und teilweise auch reintropfen, siehe folgenden Punkt)
4. Auf allen Häusern sieht man Männer herumstaksen, die undichte Stellen in den Wellblechdächern reparieren
5. Die Landschaft wechselt ihre Farbe von dürrgelb zu sattgrün und alle möglichen Pflanzen wachsen in erstaunlichem Tempo (allen voran das Unkraut)
6. Romantisches Kerzenlicht ist nun wieder aktuell, da durch die Regenfälle auch öfters der Strom ausfällt
7. Zeitweise wohnen wir nun wieder direkt am Flussufer ... dann nämlich, wenn die Stärke der Regenfälle die Kanalisation überfordert
8. Es liegt praktisch kein Staub mehr in der Luft und im Haus, dafür hinterlässt man nun feuchtschmutzige Schuhabdrücke beim Eintreten
9. Salz und Aromat müssen neu wieder regelmässig im Ofen getrocknet werden, damit eine Chance besteht, sie aus ihrem Streuer zu schütteln

Und woran Sie ganz bestimmt merken, dass die Regenzeit angefangen hat:

10. Die Leute jammern nun nicht mehr über die Hitze sondern über den Regen (und das ist ja wie in der Schweiz)

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Aufruhr in Managua

28. April 2005

Vor ein paar Wochen wurde aufgrund der gestiegenen Benzinpreise beschlossen, dass die städtischen Busse in Managua neu nicht mehr 2.50 Cordobas sondern 3 Cordobas pro Wegstrecke verlangen sollen. Die Busse gehören zwar entweder Kooperativen oder privaten Eigentümern, die Fahrpreise werden jedoch von der Stadtverwaltung festgelegt. Sogleich wurden Proteste der Bevölkerung, allen voran der Studenten, laut. Die Obrigkeit schaltete auf stur. Die Studenten sahen sich somit veranlasst, ihren Unmut mit brennenden Reifen und geworfenen Steinen auszudrücken. Vorerst noch etwas zaghaft. Die Busfahrer streikten, die Taxifahrer ebenso und viele private Besitzer von Pickups sprangen ein und fuhren vollbeladen mit Fahrgästen durch die Stadt bis sie selber mit Steinen beworfen wurden. In einem Land, wo praktisch niemand ein eigenes Auto besitzt, kann man sich das Chaos vielleicht ausmalen.

Die Stadtverwaltung lenkte ein und vermeldete, dass die Studenten durch Vorweisen ihrer Legi weiterhin den ursprünglichen Fahrpreis bezahlen können. Dies besänftigte die Lage jedoch nicht. Mittlerweile gefielen sich die Studenten in der Rolle der Aufrührer und jeden Tag wurden mehr Reifen und irgendwann auch Busse und Fahrzeuge der staatlichen Werke verbrannt. Dieses Szenario schaukelt sich nun täglich höher. Mit Steinen, Barrikaden und Molotowcocktails der Studenten, Tränengas- und Gummigeschosseinsätzen der Polizei und Verletzten auf beiden Seiten. In gewissen Gegenden (nahe der Unis) herrscht inzwischen fast Ausnahmezustand und die verbliebenen Busbetreiber drohen abermals mit Streik. Die Armee wurde inzwischen in Bereitschaft versetzt.

Die Bewohner der Hauptstadt, die ohnehin mit der aktuellen Hitze (gegen 40 Grad Celsius) zu kämpfen haben, atmen nun auch noch die unangenehmen Düfte der diversen Brände ein. Inzwischen hat das Demonstrationsfieber auch auf andere Städte übergegriffen, in Esteli und Matagalpa gehen ebenfalls Menschen auf die Strasse, allerdings (noch) friedlich. Längst geht es nicht mehr um die Preiserhöhung der öffentlichen Verkehrsmittel. Der über die Jahre angestaute Frust über die hoffnungslose Lage des Landes, die Armut, die bevorstehende Unterzeichnung des CAFTA, der viel Unsicherheit im Land auslöst und die Korruption der Politiker, die vor allem für sich selber sorgen anstatt für die Bevölkerung haben die Lunte entzündet, die zu einem Pulverfass führt, dessen Grösse und Sprengkraft nicht abgeschätzt werden kann.

Jeder schiebt jedem die Schuld in die Schuhe und einmal mehr wird von allen möglichen Seiten gefordert, dass der Staatspräsident, Enrique Bolaños, zurücktreten soll.

Hoffen wir, dass die Lunte feucht wird und nicht zündet.

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Öffentliche Verkehrsmittel

3. März 2005

In Nicaragua existiert ein sehr dichtes, gut funktionierendes und pünktliches Busnetz. Pünktlich sage ich deshalb, weil es zwar keine offiziellen, gedruckten Fahrpläne gibt, man jedoch von den Busfahrern eine verbindliche Antwort erhält, wann beispielsweise der letzte Bus in die gewünschte Richtung fährt und der Bus fährt dann auch wirklich zur angegebenen Zeit. Zumindest kann ich das über den Südwesten des Landes sagen, der Ecke des Landes, welche wir mittlerweile gut kennen. Bus fahren ist hier kein Abenteuer und wir haben auch noch keine gravierenden Unfälle gesehen, in die Busse verwickelt gewesen wären. Es gibt grundsätzlich zwei Arten von Bussen: die grossen, gelben, alten, bergauf schnaufenden, in den USA ausgemusterten Schulbusse und die Expressos oder Microbusse. Dies sind kleine Personenbusse, in die in der Schweiz etwa 12 Personen reinpassen und in Nicaragua schlussendlich wohl etwa 18. Um Bus zu fahren, geht man hier folgendermassen vor: Wenn man an einem grösseren Busterminal einsteigt, hört man schon von weitem die Assistenten der Busfahrer rufen, wohin sie fahren werden. "Managua, Managua, Managua, Managuaaaa!" oder "Granada, Granada, Granada, Granadaaaaa!" oder "Riva, Riva, Riva, Rivaaas". Man steigt ein und wartet. Wartet bis der Bus voll ist, denn eine Fahrt rentiert nur, wenn jeder Platz ausgeschöpft ist. Während man wartet, kann man noch von den allgegenwärtigen, fliegenden Händlern allerlei Süssigkeiten, Getränke, Früchte, Kekse und Spielzeug kaufen.

Einmal unterwegs steigen noch weitere Passagiere zu. Aufgrund fehlender Bushaltestellen kann man sich nämlich einfach an die Strasse stellen und dem Bus winken, in den man gerne einsteigen möchte. Da er ja eigentlich schon voll war, als er losfuhr kann das platzmässig etwas eng werden und man ist froh, wenn die Fahrt nicht allzu lange dauert. Irgendwann auf halber Strecke kassiert der Assistent das Fahrgeld ein. Dies sind meist sehr kleine Beträge. Wenn man hier mit einem grösseren Schein bezahlt, hat der Assistent ein Problem, denn er trägt keinen "Stock" auf sich, von dem er das Rückgeld bezahlen könnte. Er kassiert einfach weiter ein und merkt sich, wem er noch wieviel Rückgeld schuldet. Das funktioniert tadellos. Wenn jedoch mehrere Personen mit grossen Scheinen bezahlen, geht diese Rechnung nicht mehr auf. Dann wird einfach an der nächsten Tankstelle angehalten und er versucht dort seine Scheine zu wechseln. Ich habe auch schon öfters beobachtet, dass der Assistent kurz nach Abfahrt von mehreren Fahrgästen grössere Scheine erbat und dann an der nächsten Tankstelle hielt, um aufzutanken. Man kann sich demzufolge die dünne Marge vorstellen, die während eines Tages erwirtschaftet wird, wenn man laufend auf die aktuellen Einnahmen angewiesen ist um wieder etwas Benzin in den Tank zu füllen.

Wenn man unterwegs aussteigen möchte, teilt man dies dem Assistenten mit und der Bus wird wie gewünscht angehalten, auch irgendwo im nirgendwo. Die Assistenten sind sehr hilfsbereit und heben Taschen und Kinder in den Bus, befestigen Güter auf dem Dach oder bieten den Damen ihren starken Arm beim Aussteigen. Wenn ich da an Zürich denke und all die Trams und Busse, die mir schon vor der Nase weggefahren sind trotz meinerseitigem unvorsichtigem über die Fahrbahn rennen. Hier wartet der Bus immer und die Tür geht immer auf. Zudem kann man hier sicher sein, dass der Bus nicht nur hupt, sondern auch bremst.

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Ampelverkauf in Managua

11. Februar 2005

In der Vergangenheit sind wir öfter in der Hauptstadt Managua gewesen, da wir einige Termine mit der Schweizer Botschaft, Ministerien und anderen Gesprächspartnern hatten. Dabei fuhren wir immer wieder kreuz und quer per Bus oder Taxi durch die Innenstadt um von einem Termin zum anderen zu gelangen. An den Ampeln (auf spanisch "semáforo", wie schön das klingt) in Managua sind die Rotphasen etwas länger als wir das aus der Schweiz kennen (die Motoren werden jedoch auch hier nicht abgestellt). Hier findet ein Verkauf fast wie McDonalds-Drive-Thru statt und man kann direkt aus dem Auto fast alles kaufen, was das Herz begehrt. Ich habe mir einmal Notizen gemacht, was man alles so haben kann: diverse Zeitungen, Sonnenbrillen, Brillen-Etuis, gekühltes Wasser in kleinen Plastikbeuteln, Cashew-Nüsse, Erdnüsse, Fruchtsäfte, Kaugummis, Bonbons, Kekse, Plastikfussmatten fürs Auto, Handyabdeckungen, Handyschutzhüllen, Raddeckel, Lenkradverkleidungen in Leder und unzähliges mehr. Zusätzlich kann man sich noch die Scheiben reinigen lassen. Manchmal auch nicht ganz freiwillig, wenn die Jungs ohne Einwilligung des Autolenkers putzen und danach Geld dafür wollen (notabene kostet dies nur CHF 0.10). Dann stehen noch kleine Mädchen, junge Mütter mit Babies auf dem Arm oder Behinderte in Rollstühlen oder ähnlichen Gefährten bereit, die einfach betteln, ohne Gegenleistung. An einer speziellen Ampel kann man auf einen Parkplatz fahren und Hundewelpen kaufen, die den ganzen Tag in sengender Hitze in kleinen Käfigen sitzen. An einem anderen Ort kann man Papageien in Mini-Käfigen erstehen.

Das alles wird von morgens bis abends unter sengender Hitze und inmitten der nicht zu knappen Abgase von Kindern oder Erwachsenen geboten, die während besagter Rotphasen an den Autoschlangen entlang gehen und ihre Waren feilbieten. Das Geschäft muss innert kürzester Zeit zustanden kommen, sprich der Kaufende muss die Ware aussuchen und die beiden Parteien müssen sich auf einen Preis einigen und Ware gegen Geld tauschen, bevor die Ampel wieder auf grün springt. Die Verkaufenden leben nicht nur ungesund sondern auch gefährlich, denn sie stehen auf den Mittelstreifen zwischen den verschiedenen Fahrbahnen und müssen nicht nur ein Auge auf potentielle Kunden werfen sondern auch dem gnadenlos heranrollenden Verkehr ausweichen. Definitiv kein leichtes Geldverdienen!

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Fiesta patronal in Diriamba

26. Januar 2005

Soeben ist in unserem Nachbardorf Diriamba ein grosses Fest zu Ende gegangen, an dem auch wir rege teilgenommen haben. Es handelt sich um die "Fiesta patronal", das Fest des Stadtheiligen San Sebastian, das jedes Jahr gebührend gefeiert wird. Es geht die Legende, dass zur Kolonialzeit die Statuen der drei Heiligen San Sebastian, Santiago und San Marcos mit einem Schiff der Spanier an der Westküste von Nicaragua gelandet sind und dann in die drei Nachbardörfer Diriamba, Jinotepe und San Marcos verbracht wurden, wo sie als Patrone der jeweiligen Städte fungierten und dies noch immer tun.

Jedes Jahr feiern die drei Heiligen dreimal ihre Wiedervereinigung. Mittels Prozessionen, die von tausenden von Leuten aus ihren jeweiligen Dörfern begleitet werden, treffen sich nach mehreren Stunden die Heiligen in einem Dorf in der Mitte. Zu ihren Ehren wird eine Messe abgehalten, bevor sie wieder in ihre Heimatdörfer zurückkehren. Die Menschen drängen sich darum, "ihren" Heiligen auch ein Stück des Weges tragen zu dürfen. Zum Teil sieht man seltsame Bilder am Rande der Prozessionen: Menschen, die die ganze Prozession rückwärts gehen, sich ein längeres Stück auf den Knien fortbewegen oder unentwegt im Kreis tanzen. Dies sind Menschen, die dem Heiligen ein Versprechen gegeben haben, wenn er ihnen in einer wichtigen Sache hilft und diese Versprechen nun einlösen.

Rund um diese Prozessionen fand eine ganze Woche lang ein Fest in Diriamba statt. Dies beinhaltete allabendliche Gratiskonzerte der nicaraguanischen Showgrössen im Park, Strassenfest mit lauter Musik aus überdimensionalen Boxen, einigen Karusells für Kinder, Budenstadt mit Spielen, Strassenmusiker überall und ein Umzug des Reitvereins von Diriamba mit wundervollen Rassepferden. Die Stadt Diriamba kam die ganze Woche über nicht zur Ruhe. Es wurde viel gelacht und noch viel mehr getanzt. Daneben sah man auch viele, viele Alkoholleichen und Kämpfe von Jugendbanden. Alles in allem also ein gelungenes, ganz normales nicaraguanisches Fest. Viva San Sebastian!

Wir freuen uns schon auf die zwei weiteren Feste im April in San Marcos und im Juli in Jinotepe.

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La Purisima (Maria Empfängnis)

9. Dezember 2004

Nicaragua ist ein zutiefst katholisches und religiöses Land. Demzufolge spürt man auch hier, dass Weihnachten Einzug hält. Überall kann man bereits seit Wochen Weihnachtsschmuck und Krippen kaufen, aus dem Radio tönt "Jingle Bells" auf spanisch und in einzelnen Häusern stehen kitschig geschmückte, blinkende Plastikweihnachtsbäume. Auch auf dem Markt ist das Angebot an "Luxusartikeln" wie Spielsachen, Schuhe und Kleider entschieden grösser geworden. Trotz dieser Vorbereitungen fühlen wir uns nicht wirklich weihnachtlich gestimmt, herrschen doch jeden Tag Temperaturen gegen 25-30°C und die Sonne scheint praktisch jeden Tag.

Nicaragua ist auch ein Land der Maria-Verehrung. Jede Frau (wirklich jede Frau) heisst entweder mit erstem oder zweitem Namen Maria: Maria Elena, Juana Maria, Maria Teresa, Olivia Maria ... und Maria, die Mutter Gottes, spielt hier in der Kirche eine wichtige Rolle. So wird denn auch der Tag der unbefleckten Empfängnis, der 8. Dezember, als wichtiges Ereignis gefeiert. Bereits zehn Tage vorher bereitet man sich langsam auf dieses Fest vor.

Wir staunten nicht schlecht, als am Freitag, 26. November in unserem Büro ein Altar mit einer Maria-Statue, Blumen und blinkenden Kerzchen aufgebaut wurde. Dafür wurden einfach unsere Arbeitsplätze ein wenig auf die Seite geschoben und Stühle davor aufgestellt. Und kurz vor Feierabend wurde - zur Verehrung von Maria - zusammen gebetet und gesungen. Dies wurde nun jeden Abend wiederholt (auch aus anderen Büros und Privathäusern hörten wir den Gesang auf unserem Heimweg). Dies ist die so genannte "Novena", die neun Nächte vor der unbefleckten Empfängnis.

Jeden Abend fand in einem anderen Quartier eine Prozession statt, bei der eine grosse Maria-Statue auf einem Lieferwagen, begleitet von einigen hundert Einwohnern, Musik und Böllerschüssen, die Hauptrolle spielte. Am 7. Dezember um 18.00h ging in der ganzen Stadt ein ohrenbetäubender Krach los, der von unzähligen Feuerwerkskörpern und Böllerschüssen herrührte.

Soviele Menschen hatte ich vorher in den Strassen von Jinotepe noch nie gesehen. Dies war der Startschuss für einen Brauch, der mich ein wenig an Halloween erinnerte. Die Menschen in den Strassen gingen von Haus zu Haus - nur zu jenen, die eine Maria-Statue im Fenster hatten - und sangen ein kurzes Gebet zur Lobpreisung von Maria, der Mutter Gottes. Dafür erhielten sie von den Bewohnern des jeweiligen Hauses etwas Süsses zum mitnehmen. Und weiter ging's zum nächsten Haus. Bis nachts um 00.00h, als weitere Feuerwerksdetonationen den Schluss dieses Prozederes ankündigten. Am eigentlichen Feiertag jedoch habe ich keine weiteren Festivitäten mehr ausmachen können, nur die gelegentlichen Detonationen, die hier an der Tagesordnung sind. Ich nehme jedoch an, dass in den Kirchen spezielle Messen zur Feier des Tages abgehalten wurden.

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Viecherwelt

28. November 2004

Heute möchten wir Euch einmal etwas über die verschiedenen Viecher erzählen, die wir hier so antreffen. Und zwar nicht über die herzigen treu dreinschauenden Hunde, unterernährten Katzen und geschundenen Pferde, die hier allgegenwärtig sind. Das ist ein anderes Thema.

Haltet Eure beiden Hände nebeneinander vor Euch hin, wie wenn Ihr jemandem "stopp!" bedeuten wollt. Nun überkreuzt die Daumen. Sieht so ähnlich aus wie ein Schmetterling, nicht wahr? Und genau so gross sind hier viele Schmetterlinge und Nachtfalter. Die Körper sind so gross und dick wie Euer Mittelfinger! Einen Riesenschreck habe ich gekriegt, als so ein Ding zum ersten Mal nahe an mir vorbeigeflogen ist und ich tatsächlich den Lufthauch des Flügelschlags spürte.

Dann natürlich gibt es die Kakerlaken, wer verabscheut sie nicht. So überflüssig wie Kopfschmerzen, so hässlich wie eine italienische Autobahnraststätte und so zahlreich wie Sand am Meer. Auch wir haben ab und zu eine "Cucaracha" bei uns (bis zu 7 cm lang)... aber sie überlebt nie lange, wenn sie sich dummerweise in unser Haus verirrt hat.

Gleich zu Beginn als wir ins Haus einzogen, stellten wir fest, dass wir Mäuse als Untermieter haben. Sie hinterliessen ihre kleinen "Muusgegeli" in unseren Küchenschränken und frassen die Packungen mit Reis, Zucker usw. an. Mittlerweile lagern wir ALLE Nahrungsmittel in mäusezahnsicheren Plastikgefässen oder im Kühlschrank und haben mittels Rattengift die Tiere vertrieben.

Asseln, wer kennt sie nicht. Das sind die Viecher, die davonwuseln, sobald man einen Blumentopf oder grossen Stein im Garten aufhebt. Sie sehen aus, als ob sie mit der Zeitmaschine aus der Urzeit angereist wären. Habt Ihr diese schon einmal in einer Grösse von 5 cm gesehen? Wir schon! Kein besonders appetitlicher Anblick.

Auch Ameisen in allen Grössen können wir bieten. Von winzigen millimeterkleinen bis zu 1.5 cm grossen Kampfameisen tummelt sich alles in unserem Garten und manchmal verirrt sich auch die eine oder andere ins Haus. Am interessantesten war, als wir auf einmal eine Spur wandelnder Pflanzenblätter entdeckten. Es sah aus als ob kleine Surfer mit grünen Segeln unterwegs wären. Da schnitten doch tatsächlich Blattschneider-Ameisen Teile aus meiner Bougainvillea und transportierten sie in einer Karawane in ihren Bau. Das konnten wir uns natürlich nicht gefallen lassen.
Zancudos werden hier die Moskitos genannt. Wir kennen sie leider zur Genüge, sie lieben unser Blut über alles. Das Gemeine ist, dass sie viel schneller fliegen und viel intelligenter sind als die Mücken in der Schweiz. Man erwischt sie praktisch nie. Hier hilft nur Antimückenmittel und Moskitonetz.

Dies waren nur die Tiere, die wir und um unser Haus mitten in der Stadt angetroffen haben. Von den riesigen Spinnen, den Skorpionen, den Schlangen, den giftigen Raupen und so weiter, die auf dem Land anzutreffen sind, wollen wir gar nicht reden.

Es gibt aber natürlich auch schöne "Viecher". Die Geckos (Eidechsenart) zum Beispiel sind gern gesehene Gäste in unserem Haus. In allen Grössen bevölkern sie unsere Zimmer und fressen Mücken, Spinnen und sonstiges Gefleuch. Und heute früh, als wir auf unseren Schaukelstühlen den Morgenkaffee tranken, besuchte uns ein Kolibri und schlürfte Nektar aus unseren Blumen im Patio. Es war wunderschön ihm zuzusehen und seinen Flügelschlag zu hören. Und ein Lächeln breitete sich auf unseren Gesichtern aus.

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Wahlkampagne auf nicaraguanisch

2. November 2004

Wir befinden uns mitten im Wahlkampf für die kommunalen Wahlen, denn am 7. November werden vom Volk im ganzen Land die Gemeindepräsidenten und ihre Gefolgschaft für die nächsten vier Jahre gewählt. Hier ist es nicht so, dass das Gemeindegremium aus verschiedenen Parteien zusammengesetzt ist, die gemeinschaftlich die Gemeindeangelegenheiten betreuen. Entweder ist das Parlament sandinistisch oder liberal-konservativ (die anderen Parteien spielen nur eine untergeordnete Rolle). Das heisst jedoch auch, dass wenn nach den abgelaufenen vier Jahren die andere Partei an die Macht kommt, die Schlüsselstellen der Gemeinde ausgewechselt werden, um die Posten mit den eigenen Leuten zu besetzen und das eigene Parteiprogramm einzuführen. Nicht sonderlich effizient!!

Auf jeden Fall ist hier momentan ein reges Treiben der Parteien angesagt. Von morgens bis abends fahren Pick-ups durch die Stadt und verkünden entweder per Megaphon das Parteiprogramm oder es wird mittels Musik aus überdimensionalen Lautsprechern die Bevölkerung zusammengetrommelt. Teilweise fahren ganze Konvois von Fahrzeugen durch die Stadt. Ganze Cliquen von Parteiaktivisten versammeln sich mit Parteifahnen um diese Fahrzeuge, die auf irgendeiner Kreuzung anhalten und ihre Botschaft kundtun. Dazu wird Feuerwerk im Stile von lauten Knallern losgelassen. Wir zucken inzwischen nicht mehr so zusammen und lassen fast die Gläser fallen. Zusätzlich findet man überall Häuser, die frisch in den Parteifarben angemalt wurden und die Namen und Köpfe der Kandidaten zieren viele Plakate, Hauswände, Stromverteiler usw. Einmal fuhren wir nachts ins Nachbardorf und sahen einige Jungs, die im Schutz der Dunkelheit die (öffentlichen) Strommasten in den Farben ihrer Partei bemalten. Wahrscheinlich wurden sie einige Tage später wieder in der Farbe der Gegenpartei übermalt. Auch Baumstämme entlang der Hauptstrasse sind nicht gefeit vor der Verschönerung.

An den Wochenenden finden Podiumsdiskussionen unter freiem Himmel statt, danach wird getanzt und Bier oder Rum getrunken. Das Ganze läuft jedoch recht zivilisiert ab, nicht dass Ihr jetzt denkt, dass sich die gegnerischen Parteien gegenseitig die Köpfe einschlagen. Die Bevölkerung ist an sich sehr stark politisiert. Wir haben noch keine Person angetroffen, die keine Meinung zur Politik von Nicaragua hat und die nicht mit einer Partei sympathisiert oder gar aktives Mitglied ist. Es gibt jedoch auch viele Menschen, die resigniert sagen, sie werden nicht wählen gehen, denn es ändere sich sowieso nichts, ob nun die einen oder anderen an der Macht sind.

Wir sind jedenfalls froh, wenn der ganze Zirkus bald vorüber ist und der ohrenbetäubende Lärm ein Ende hat.

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Putzorgien, Felgengrill und Erdbeben

12. Oktober 2004

Hier gibt es allgemein immer viel zu tun obwohl es eigentlich nicht viel zu tun gibt (häh?). Nein, es dauert einfach alles immer länger als angenommen weil dieser etwas noch nicht erledigt hat oder jener nicht gekommen ist und man noch warten muss. Aber die Leute sind grundsätzlich alle sehr hilfsbereit und nett. Im Büro haben wir allerdings noch nicht viel Arbeit, wir sind immer noch so am Einlesen und Leute kennenlernen, Dokumente sichten usw. Wir nehmen uns bewusst Zeit um langsam in die Aufgabe hineinzukommen und erst einfach alles mal ein bisschen beobachten.

Letzte Woche hat sich Cecile einen Nachmittag frei genommen um das Haus zu putzen. Den Staub kann man sich gar nicht vorstellen. Vor drei Tagen erst hatte sie alle Böden gewischt und feucht aufgenommen, doch schon wieder war das Wasser schwarz vor Dreck. Das kommt daher, dass hier die Erde so trocken ist und einfach viel Staub in der Luft ist (auch von den Abgasen der Autos und Lastwagen). Da man hier ganz seltsame Fenster hat (so ähnlich wie Lamellen), die nicht wirklich dicht schliessen und die Türen schon gar nicht, fliegt der ganze Staub in die Bude. Also für Asthmatiker und Stauballergiker ist das hier nix. Cecile entwickelt sich hier noch zur Putzfetischistin denn sie habe noch nie in ihrem Leben eine so schnell piekfein aufgeräumte Küche gehabt wie hier. Wenn man nicht alle Lebensmittel innert Minuten in den Kühlschrank räumt und das Geschirr sauber macht, hat man sofort kleine Ameisen, die die Küche bevölkern und man kann ihnen zusehen, wie sie Brösmeli um Brösmeli davontragen. Wenn man ein sauberes Haus hat, schützt man sich auch selber vor Kakerlaken, Mäusen und anderem Getier. Wir brauchen unbedingt jemanden, der uns hier ein wenig hilft. Denn die Wäsche von Hand ist ja auch noch zu machen, das macht Cecile allerdings noch gerne. Sie sagt, es hat so etwas Meditatives. Ist auch viel schonender für die Wäsche, wenn sie das selber macht, die Einheimischen rubbeln die Wäsche gnadenlos über den Stein.

Silvios Job ist mehr in der Küche und einkaufen auf dem Markt. Früchte und Gemüse kann man hier ungefähr das kaufen was in der Schweiz auch und noch vieles mehr. Man kann sich nur so schwer merken, wie diese feinen Sachen heissen, denn sie stehen in keinem Wörterbuch, da die Bezeichnungen aus dem indianischen stammen. Wir machen oft feine frischgepresste Fruchtsäfte. Im Super gibt es fast alles was wir von zuhause auch kennen, einfach relativ teuer für unsere Lohnverhältnisse, aber wir leisten uns schon öfters mal was.

Auch haben wir mittlerweile einen Grill, genauer gesagt einen Felgengrill. Das ist ein absolut cooles Teil, das hier überall zu haben ist. Hier basteln sie Grills aus alten halbierten Oelfässern oder eben aus Felgen. Nur drei Füsse drangemacht, ein Stück Blech auf die Nabenöffnung geschweisst damit nicht die ganze Kohle unten rausfällt und ein Rost obendrauf, das ganze in irgendeiner Farbe angemalt und schon fertig ist der Grill.

Nun auch mal was negatives oder gewöhnungsbedürftiges: es ist immer schon um 18.00 h stockdunkel. Das ist schon was, woran wir zu beissen haben, abends um 20.00h hat man schon das Gefühl es sei mitten in der Nacht ist und dass man langsam in die Heia gehen sollte. Wir gehen dementsprechend auch immer früh zu Bett, so zwischen 09.00 - 10.00h, der Tag beginnt hier halt auch früher. Man wacht so ca. um 05.30h spätestens auf, wenn alle Hähne und Hunde der Nachbarschaft sich bemerkbar machen. Wir sind morgens immer recht aktiv, so um 06.15 h stehen wir auf, duschen, eventuell macht Cecile noch etwas Wäsche, Pflanzen giessen, hinsetzen, Kaffee trinken, wachwerden. Um 08.00 h sind wir dann im Büro.

Am Freitag haben wir endlich unsere Metallkiste aus der Schweiz erhalten, die wir bereits Mitte Mai, vor unserem Auszug in Birchwil, gepackt und aufgegeben hatten. Es war richtig spannend sie auszupacken, da wir gar nicht mehr wussten, was alles drin war. Viele Sachen für die Küche, für die Wohnungsverschönerung und fürs Gemüt (Bilder, Humidor, Dekosachen und Erinnerungsstücke).

Am Samstag hatten wir übrigens noch ein Erlebnis der besonderen Art. Als wir nachmittags auf unseren Schaukelstühlen sassen, haben wir unser erstes Erdbeben erlebt. 6.3 auf der Richterskala mit Zentrum rund 100 km südlich von hier. Zuerst wussten wir gar nicht was los war. Ganz schön komisches Gefühl, wenn alles bebt und zittert. Wir sind richtig erschrocken und sicherheitshalber mal in den Garten geflüchtet (gemäss Weisung der Schweizerischen Botschaft soll man bei Erdbeben möglichst ins Freie oder unter einen Türrahmen gehen). Hoffen wir, dass es nicht noch stärkere Beben gibt.

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Where the streets have no names

September 2004

Hurra, wir haben endlich wieder ein eigenes Zuhause! Nach insgesamt fast viermonatigem Umhervagabundieren haben wir nun ein Haus im Zentrum von Jinotepe gemietet. Nach der Besichtigung von ca. 15 möglichen Varianten haben wir uns für eines entschieden und konnten am vergangenen Wochenende bereits einziehen. Gleichzeitig kam die Lieferung von verschiedenen Dingen, die wir in den vorangegangenen Tagen eingekauft hatten. Denn in einem nicaraguanischen Haushalt gibt es keinen Kühlschrank oder Herd, den muss man selber mitbringen.

Inzwischen haben wir eine Stereoanlage, ein komplettes Gästebett, einen Herd, einen grossen Kühlschrank, eine Stehlampe, eine Matratze für unser Bett (das wird aus Holz gefertigt, haben wir schon bestellt), und viele Plastikgefässe gekauft. Ah, und natürlich 4 Schaukelstühle, das ist hier das Hauptwohnelement. Die wenigsten Leute haben ein Sofa, sondern benutzen Schaukelstühle (hier heissen sie "Grossmütterchen"). Wir haben sie mittlerweile schätzen gelernt. Selbstverständlich fehlt auch die "hamaca", die Hängematte, nicht und sogar ein Telefon haben wir nun.

In unserem Haus gibt es eine Garage, ein Wohnzimmer, ein Esszimmer, eine Küche, drei Schlafzimmer, 2 Bäder, ein separates Waschhaus (man muss ja die Wäsche von Hand waschen auf einem speziellen Waschstein, Cecile ist schon ziemlich gut darin) und einen grossen Garten. Kleinere Häuser gibt es eigentlich gar nicht, da hier ja meist 2-3 Generationen zusammen wohnen. Das Haus liegt nur ca. 5 Gehminuten vom Büro entfernt, ist ziemlich zentral und doch ruhig gelegen.

Wir haben zudem Glück, unser Haus hat von morgens 6.00 bis mittags 12.00 Wasser. Unsere Nachbarn haben nur von 06.00 - 08.00 jeden Tag Wasser. Deshalb auch die vielen Plastikgefässe, Eimer usw in jedem Haushalt. Man füllt morgens die Behälter auf, um während des Tages die Hände, das Geschirr, die Wäsche oder was sonst noch zu waschen. Man gewöhnt sich daran. Etwas ausserhalb der Stadt haben die Leute nur einmal bis zweimal die Woche für wenige Stunden Wasser, müssen also sehr gut einteilen können.

Unsere ein wenig spezielle Adresse und deren Übersetzung seht Ihr weiter unten. Was diese seltsamen Bezeichnungen zu bedeuten haben? Das ist eine für uns Schweizer unbekannte und zunächst auch unverständliche Art der Wegbeschreibung. Wie der Titel eines Liedes von U2 sagt: "wo die Strassen keine Namen tragen". In Nicaragua gibt es keine Strassennamen oder Hausnummern, nicht einmal in der Hauptstadt mit 1.5 Mio. Einwohnern. Die Städte sind alle mehr oder weniger quadratisch in Blocks eingeteilt, so wie man das vielleicht aus den USA kennt.

Hier nimmt man nun ein allgemein bekanntes Gebäude wie das Stadthaus, die Post, eine Kirche, einen Supermarkt, eine Tankstelle oder eine Schule (samt deren Namen) als Ausgangspunkt und beschreibt wie viele Blocks man in welche Himmelsrichtung gehen muss um zum gewünschten Haus zu gelangen. Die vier Himmelsrichtungen werden mit norte (Norden), arriba (Osten), sur (Süden) und abajo (Westen) bezeichnet. Abajo heisst unten und bedeutet "dort wo die Sonne untergeht", also Westen. Das Gegenteil wird mit arriba bezeichnet, was oben heisst und dementsprechend "dort wo die Sonne aufgeht".

Unsere neue Adresse   Übersetzung

Cecilia & Silvio Greber
Del Texaco 3 c. al norte
10 vrs. abajo
casa verde, mano derecha
Jinotepe, Carazo
Nicaragua

  Cecile & Silvio Greber
Von der Tankstelle Texaco 3 Blocks nach Norden
10 Meter nach Westen
Grünes Haus auf der rechten Seite
Jinotepe, Carazo
Nicaragua

Ihr denkt jetzt vielleicht "ganz schön kompliziert, Strassennamen wären einfacher". Aber stellt Euch einmal vor, wie einfach es das macht, sich in einer neuen Stadt zurecht zu finden. Man braucht nur nach dem Ausgangspunkt zu fragen (den wirklich jeder auf der Strasse kennt) und man muss wissen wo Norden liegt. Das ist schon alles, den Rest kann man selber finden. Oder habt Ihr Euch etwa noch nie über die Taxifahrer geärgert, denen Ihr den Weg zu Eurem Zielort erklären musstet. Voilà! Das ist die Lösung. Wir haben uns jedenfalls sehr schnell daran gewöhnt und finden uns nach zwei Wochen Jinotepe bereits problemlos zurecht.

Unsere Telefon-Nummer lautet 00505 41 22 661
(8 Stunden Zeitverschiebung im Sommer, 7 Stunden im Winter = sprich wenn es bei Euch 20.00h ist, ist es bei uns 12.00h resp. 13.00h)

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Gut angekommen?!

August 2004

Der grosse Tag des Abflugs war nun endlich gekommen. Nach einer halb durchwachten Nacht war morgens um 05.30h Tagwache in unserem Hotelzimmer in Zürich. Doch schon die Abfahrt mit dem Shuttle-Bus zum Flughafen wurde fast vereitelt, da der Bus zur vorgesehenen Zeit nicht bereitstand sondern gemäss Auskunft der Reception bereits abgefahren war, da er voll war. Toll! Also schnell ein Taxi bestellt, doch bevor dieses kam, erschien der Bus wieder und fuhr uns doch noch zum Flughafen. War dies ein schlechtes Omen für den Reisetag? Es war!

Der Flug von Zürich nach Frankfurt lief wie vorgesehen ab. Doch nach dem Boarden in Frankfurt wurde an unserem Flugzeug ein technischer Defekt festgestellt, der Tank leckte. Man testete nochmals ob es wirklich ein Defekt war, doch dann war klar, wir müssen das Flugzeug wechseln. Zum Glück stand noch dasselbe Modell in der Werft, das daraufhin herangeschafft und bereitgestellt wurde. Inzwischen wurde aus unserem einstündigen Aufenthalt ein vierstündiger und es war klar, dass wir unseren Anschlussflug in Miami verpassen würden. Also schnell noch Interteam informiert, dass sie später die Koordination in Managua kontaktieren würden, denn jetzt war es noch zu früh um dort anzurufen.

Während des Fluges nach Miami wirbelte das Lufthansa-Personal und organisierte für alle Passagiere mit Anschlussflügen neue Verbindungen. Nach unserer Ankunft in Miami war die Zeit jedoch trotzdem arg knapp und wer die Sicherheitsvorkehrungen und die Grösse der Flughäfen in den USA kennt, weiss, dass man einiges an Zeit braucht um seinen Anschluss nicht zu verpassen. Dank hilfreichem Personal und verständnisvollen anderen Fluggästen, die uns an den Schlangen vorbeiliessen, klappte es und wir sassen in unserem (hoffentlich) letzten Flugzeug.

Endlich in Managua angekommen, fehlte dafür unser ganzes Gepäck, das hatte den Weg ins richtige Flugzeug wohl nicht geschafft. All die Sachen, die dort drin waren, waren jene, die den Sprung übers Ausmisten geschafft hatten und somit unsere Liebsten und Wichtigsten waren. Nicht auszudenken, wenn das alles weg war! Und wo blieb unser Koordinator, der uns abholen und zum Hotel für die erste Nacht bringen sollte? Nirgends. Da die Kommunikation zwischen uns, Interteam und der Koordination leider nicht zum Klappen kam, standen wir alleine ohne Gepäck am Flughafen und wussten nicht, wo für uns ein Zimmer reserviert war. Erschöpft nach einem aufregenden 24-Stunden-Tag fielen wir vis-à-vis des Flughafens ins erstbeste Hotelbett, das wir finden konnten.

Am nächsten Tag schien für uns jedoch wieder die Sonne: wir erreichten und trafen endlich die Koordination, unser Gepäck kam mit dem ersten Flieger von Miami an und wir hatten ein schmackhaftes erstes Abendessen in Nicaragua inkl. Bier und Cola. Alles war paletti!

Bienvenido a Nicaragua!

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Endlich ist es soweit!

August 2004

Am 9. August sind wir in unser neues Leben gestartet. Mit dem Flug nach Nicaragua ist eine lange Zeit der Vorbereitungen, des Wartens, der Ungewissheit, aber auch des Abschiednehmens für uns zu Ende gegangen.

Grund genug, unseren ersten Newsletter Online zu schalten. Darin geht es hauptsächlich um unser Projekt, Interteam und unsere letzten Tage in der Schweiz.

Im Spätherbst werden wir dann erstmals aus Nicaragua berichten. Wer den Newsletter noch nicht abonniert hat, sollte dies unbedingt tun.

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Der Countdown läuft

Mitte Juli 2004

Nun sind es nur noch wenige Tage bis wir in Richtung Süden abheben. Wir geniessen den mittlerweile hier ebenfalls angekommenen Sommer und haben eine letzte kleine Tour de Suisse absolviert, allerdings per Auto. Mittlerweile ist uns bewusst, dass wir Freunde und Verwandte, die wir treffen, für lange Zeit nicht mehr sehen werden. Ein seltsames Gefühl. Die uns momentan am häufigsten gestellten Fragen "seid Ihr schon nervös?" und "habt Ihr schon gepackt?", können wir jedoch längst nicht mehr hören. Wir freuen uns, dass es endlich los geht. Wir fühlen uns wie eine bis zum Äussersten gespannte Steinschleuder, die einfach nicht losgelassen wird.

Was uns an unserem Einsatzort Jinotepe in Nicaragua erwartet? Das wissen wir nicht so genau, wir lassen uns überraschen - positiv wie negativ. Noch vor unserer Abreise erscheint unser erster Newsletter mit Informationen über das "wie" und "warum" unseres Vorhabens. Im Spätherbst werden wir dann erstmals aus Nicaragua berichten. Wer den Newsletter noch nicht abonniert hat, sollte dies unbedingt tun.

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Die letzten 100 Tage in der Schweiz

April 2004

Zurzeit sind wir neben der Arbeit vollauf damit beschäftigt unseren Haushalt aufzulösen, d.h. Entscheidungen zu treffen, welche Möbelstücke oder Haushaltgegenstände verkauft, verschenkt, eingestellt oder mitgenommen werden sollen. Ein zeitintensives und zum Teil auch schwieriges Unterfangen, muss man sich doch auch von liebgewordenen Dingen trennen, sei es auf Zeit oder für immer. Wer noch nie für längere Zeit die Schweiz verlassen hat, kann sich gar nicht vorstellen, was alles auf einen zukommt: letzte Steuererklärung, Kündigung aller Abos, Versicherungen, Telefon, Abmeldung beim Militär (juhee!), bei der Gemeinde etcetera ... und natürlich Weinkeller leer trinken.

Ende Mai ziehen wir vorübergehend zu Cecile's Eltern. Den ganzen Juni werden wir zusammen mit anderen Ausreisenden in der alten Villa in Bad Schönbrunn im Zugerland verbringen. Dort wird uns im Ausreisekurs von Interteam der letzte Schliff verpasst, damit wir uns möglichst gut in unserem zukünftigen Projekt und Land zurecht finden. Themen wie Geld & Korruption, Öffentlichkeitsarbeit, Globalisierung, Kulturbegegnung und Kommunikationsstile, Projektplanung, aber auch Soziales wie Fair Streiten, Rassismus, Umgang mit Abschied und Integrationsprozess stehen auf der Agenda.

Im Juli wollen wir noch ein wenig die Schweiz geniessen und "Tourist" in der Schweiz sein. Wir freuen uns darauf, Orte zu besuchen, wo wir noch nie waren, an Veranstaltungen zu gehen, an die wir schon immer mal wollten und irgendwann den letzten Cervelat zu essen bevor es dann heisst ... it's time to say goodbye.

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